Samstag, 4. Mai 2013

Das Dachboden-Dilemma

Vorletzte Woche gab es Post vom Vermieter.

Man solle bitte bis zum 2.5. seine jeweiligen Abteile im Keller oder auf dem Dachboden namentlich kennzeichnen und mit einem (neuen) Schloß versehen, ansonsten würden diese geräumt und von Vermieterseite verschlossen. Eigenbedarf oder was weiß ich.

Das war vollkommen sinnlos, da an jedem Abteil ein Vermerk mit der zugehörigen Wohnung angebracht ist, warum sollte also der Nazi aus Etage zwei ein Namensschild anpinnen, wenn bereits "2. OG Mitte" vermerkt ist?

Aber so weit, so gut.

Da ich mein Dachbodenabteil seit meinem Einzug vor über einem Jahrzehnt nicht ein einziges Mal genutzt hatte und auch seit Jahren nicht mehr auf dem Dachboden war, war mit dieser Verlust erstmal relativ egal, sollte der Vermieter sich halt die staubigen vier Quadratmeter zurückholen, ich brauchte das Ding im Stockwerk über mir eh nicht (zudem gab es die Möglichkeit, das Abteil jederzeit erneut zu okkupieren).

So ließ ich also die Frist zur eh überflüssigen Kennzeichnung des meiner Wohnung zugehörigen Abteils verstreichen und sah vorgestern aus dem Fenster dabei zu, wie Männer in rot/grauen Overalls Möbel, Kartons und sonstiges durchs Treppenhaus aus dem Haus schleppten und dabei fluchten. Das ganze Zeug wurde dann in einen Sprinter geschmissen und vermutlich entsorgt.

Gestern Abend gegen 21 Uhr klingelte es Sturm an der Tür und ich wurde um mein freitagabendliches Serienvergnügen gebracht (und weiß jetzt nicht, wer der Mörder war, verdammt!).

Ein Blick durch den Türspion, die Nachbarin von unten, die immer wortlos vorbeiläuft, wenn man sich zufällig begegnet und die auf mich irgendwie den Eindruck macht, als hätte sie nicht alle Latten am Zaun.

"Na herrlich. Das wird sicher ein Spaß jetzt" dacht ich mir. Tür auf.

"Nabend, was gibt's denn?"

"Meine Möbel sind weg!" (Okay, direkt zum Thema)

"Ähm...wäre da nicht die Polizei die passende Anlaufstelle wenn Sie beraubt wurden?"

"Du bist Schuld!" (Schau an, wir duzen uns)

"Bitte WAS?!?"

"Ja, deine Schuld, ich hab sie in deinem Abteil abgestellt! Und jetzt sind sie weg!" (Haha, ich weiß, wo sie sind!)

"Aber den Brief vom Vermieter haben Sie schon bekommen? Und...verstanden?"

"Das war dein Abteil, du hättest aufpassen müssen! Meine Möbel sind weg, du zahlst das!" (Und so weiter)

Ich hab der "Dame" erklärt, daß ich gern auf ihren Kram aufgepasst hätte, hätte sie mich doch darüber informiert, daß sie ihn in meinem Abteil abgestellt hat, wär ja kein Ding gewesen, da ich's ja eh nicht nutzte. Hat sie nicht verstanden oder verstehen wollen. Will sich jetzt beim Vermieter über mich beschweren mit der Geschichte.

Wahnsinn. Die Bekloppten sterben echt nicht aus.

Nachdem die Furie abgerauscht und ich wieder im Fernsehsessel versunken war, klingelte es nochmal. Seufzendes Aufrappeln. Blick durch den Türspion. Junger Mann, unbekannt.

"Hi, ich bin der Nachbar von gegenüber, ich hab das grad mitgehört, war nicht zu vermeiden...bin neu im Haus und wenn Sie oder du das Abteil da oben nicht brauchen...ich schon. Für mein Zeugs. Und: Ich hab kaltes Bier!!"

Na bitte, es geht doch! Endlich ein normaler Mensch!...

Kommentare:

  1. Vielleicht endlich jemand im Haus, der weder Nazi noch Furie ist? Zu wünschen ist es dir.

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    1. Ich hätte nichts dagegen. Ich mag zwar verquere Menschen, aber hier im Haus ist es dann nun doch ausreichend!

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  2. Bei dir tummeln sie sich also alle! :-)
    Wahnsinn. Wenn das Bezugskriterium ist, gehen dir die Geschichten nicht aus! :-D

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    1. In der Tat, mein Wohnhaus bzw generell die gesamte Nachbarschaft scheint so etwas wie eine "Bekloppten-Sammelstelle" für Hamburg-Nord zu sein. Das ist teilweise schon sehr skurril...aber zumindest wird's so nicht langweilig :)

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