Montag, 8. Juli 2013

Die "Burschenschaft Germania": Nazis in Winterhude

"Herr Fährlich, sie müssen sich jetzt wirklich von hier entfernen!"

"Ihnen ist schon klar, daß sie eine Gruppe verwirrter neureicher Jugendlicher schützen, die zu einem gewissen Prozentteil rechtsradikale Gedanken verfolgt und die mit bekannten Mitgliedern der NPD Kontakte unterhalten, eventuell sind einige der kackbraunen Idioten sogar grad da drin!?!" frage ich den Cop, der in Ganzkörperrüstung Robocop-gleich vor mir steht und heftig nach frischer Luft hechelt, denn es ist heiß in der albernen Kampfmontur.

"Ich weiß nur, ich will dich hier nicht haben. Also geh oder ich sorg dafür!"

Er duzt mich.

Und deutet auf sein Pfefferspray.

Ich hab tausend Argumente, die diese Diskussion sinnvoll weiterführen könnten, sogar in die richtigen Bahnen leiten könnten vielleicht, das will er aber nicht hören.

Er hat nur ein Argument.

Tränengas.

Totschlagargument. Geh auf deinen eigenen Beinen oder du wirst rausgetragen, deine Wahl.

Krass.

Gezi Park lässt grûßen.

Hier mitten im gutbürgerlichen Winterhude an der Sierichstraße.

Ich entferne mich ein paar Meter, Robocop wendet sich anderen "Störenden" zu, älteren Damen und Herren, ein jüngeres Mädel fasst er rüde am Arm und zerrt sie weg.

Von oben schauen die Mitglieder der Burschenschaft in ihren niedlichen uniformierten Outfits auf das Geschehen hinab, einer deutet kurz den Hitlergruß an, wird aber von einem höhergestellten Arschloch neben ihm zurück gehalten, es wird auf ihn eingeredet, er verschwindet gramgebückt im Haus. Die nächsten paar Wochen wird er wohl einstecken müssen. Die "arme" Drecksau...

Die Mitglieder der Burschenschaft "Germania" stehen weiterhin oben auf ihrem Balkon in ihren Uniformen, die farblich nicht zu den zumeist in feistem schweinchenrosa gehaltenen Gesichtern passen wollen, sie gaffen herab, man sieht eine gewisse Unsicherheit in den Blicken.

Burschenschaft "Germania". Sagt das nicht überhaupt schon alles?

Nach eigener Definition steht dort oben auf dem Balkon die etwas dicklich geratene Gruppe der " Führungskräfte der Zukunft".

Im Ernst! Die machen da keine Witze! Die sehen sich als Elite an! Der Stadt? Des Landes? Man weiß es nicht...aber eine selbsternannte "Elite", bestehend aus Söhnen reicher Eltern in Kombination mit Berechnenden aus der NPD und ähnlichem Gesocks...eine verdammt beschissene Mischung! Das muss im Keim erstickt werden oder darf besser gar nicht erst aufkommen!

Ein paar hundert haben deswegen am Samstag vorm Burschenschaftshaus und in der Nähe demonstriert, friedlich. Wenn die Nazibrut sich zeigte, wurde gepfiffen, gebuht und Plakate wurden geschwenkt. Mein Favorit:

"Noch so jung und schon so scheiße!"

Eskaliert ist da niemand.

Das ist gut.

Schlecht ist, das der Idiotenverein weiterhin existiert, weiterhin seine Bleibe in der Sierichstraße hat und weitere Aktionen gegen den dreckigen "Burschenschaft Germania"-Haufen vermutlich auch keinen Erfolg haben, rechtlich ist es ihnen nicht verboten, sich zu treffen.

Was bleibt?

Gegen rechte Kacke einstehen ist Pflicht, egal, ob gegen die von nem Cop, vom fehlgeleiteten Nachbarn oder wie in diesem Fall von Söhnen von hochbezahlten Durchschnittsdeppen, die auf nem Balkon stehen und sich für was besseres halten.

Nazi-Dreck muss raus!

Die elende Burschenschaft in der Sierichstraße muß raus.

Generell muss der Gedanke aus den Köpfen raus!

Es wird endlich Zeit!

Kommentare:

  1. Ob sie Nazis sind, weiß ich nicht. Nationalistisch sind sie allemal.
    In Würzburg, wo ich studiert habe, gab es die Germania-Deppen auch.
    Wenn ich sie am Wochenende beim Freigang in Uniform mit Käppchen gesehen habe, kam mir auch das Kotzen.
    Mein Lieblingsspruch zu denen:
    Lieber ein Geschwür am After, als ein deutscher Burschenschafter!

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    1. Hej TS! Ob alle Bruderschaftsmitglieder als "Nazis" zu bezeichnen sind (wobei ich keinen RIESENgroßen Unterschied zwischen "Nazi" und "Nationalist" mache), weiß ich natürlich auch nicht. Zumindest bei der HHer Gruppe ist es aber Fakt, daß aktive NPDler sich dort die Klinke in die Hand geben und gerngesehene Gäste sind. Das allein reicht mir eigentlich schon, um dem Verein die Pestilenz an den Hals zu wünschen... ;)

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  2. Vllt könntest du ja auch mal nen Text über menschenverachtende Linksextremisten schreiben? Aber warscheinlich, gibt die bei dir garnicht...;)
    Vorallem nicht in Hamburg...;)

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    1. Hi "Anonym",

      bitte entschuldige die späte (zu späte?) Antwort, ich habe es schlichtweg vergessen, Dein Post war mir durchgerutscht, das tut mir leid.

      Mit "menschenverachtenden Linksextremisten" meinst du vermutlich die, die auf Demos Mollies oder Steine schmeißen? Rate ich jetzt mal, korrigier mich gern, wenn ich falsch liege.

      Da kann ich dir versichern, die empfinde ich, genau wie der Großteil der Bevölkerung, als störend und als Idioten. Zerstörung von Eigentum Fremder, scheißegal ob eingeschmissenes Schaufenster der Schanzen-Haspa oder brennender Porsche Cayenne des angeblichen Yuppies, der grad zufällig in der Schanze parkt...brauch ich nicht. Verurteile ich. Sowas tun Idioten. Brauchen wir gar nicht drüber diskutieren, da gehen wir d'accord.

      Linke Asis gibt's überall, auch in Hamburg, dessen bin ich mir bewusst und ich bin kein Fan von denen.

      Dennoch bin ich eindeutig politisch links einzuordnen, dazu brauch ich weder Iro noch besoffen auf ner Matratze vor der Flora pennen, das ist so und das ändert sich auch nicht mehr.

      Trotzdessen ist und bleibt die "Bruderschaft Germania" ein Verein von Berufs-Söhnen, die in der Szene angesehenen bekannten Rechtsradikalen bereitwillig die Türen öffnen. Und das prangere ich an. Denn es kotzt mich an.

      Für dieses Empfinden muss ich weder Steine werfen noch vermummt auf Demos gehen noch linksalternativ/autonom sein...dieses Empfinden ist schlichtweg normal.

      Wenn du das anders siehst...tragisch.

      Ich wünsche einen schönen Sonntag! Dafür drück ich den Daunen. Den linken!

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  3. Ich drücke nicht "Daunen", sondern den "Daumen"! Den linken... welchen sonst.

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  4. Sehr vernünftige Ansichten, Herr Fährlich. Aber mal ehrlich: Dass die Diskussion mit dem Polizisten zu nichts führt, hätte dir klar sein können. Der hat von oben den Auftrag bekommen, diese Veranstaltung zu schützen, und macht dann seinen Job. Oder glaubst du, der stand da zu seinem Privatvergnügen?

    H.O.

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    1. Hej H.O.,

      da hast du natürlich Recht, daß eine Diskussion da nichts einbringt, war mir vollkommen klar.

      Und natürlich stellen sich so circa 99,5% der Beamten, die solche Anti-Rechts-Demos schützen "müssen" da nicht zum Spaß hin und wären vermutlich lieber grad anderswo oder gar auf der anderen (der protestierenden) Seite. Ich hab auf einigen solcher Demos mit Beamten gesprochen, die das so durchklingen ließen, dürfen sie vielleicht offiziell im Einsatz nicht klar so sagen? Das weiß ich nicht.

      Der Kollege da vorm Burschenschafts-Haus machte auf mich den Eindruck, daß er voll hinter dem bzw denen steht, die er da grad schützt. Sagte allein die Körpersprache schon aus, der war in seinem Element. Der hätte Spaß dran gehabt, mir sein Spray zu verpassen. So mein Eindruck, der mag natürlich falsch sein und ich will nichts unterstellen. Als ich mich dann zurück gezogen hatte, ging er ohne große Anrede und als einziger Beamter gegen eine andere Gruppe (ältere Dame, Paar in den 40ern, Teenie-Mädchen, evtl drei Generationen einer (Anwohner-)Familie?) vor und zerrte das junge Mädchen ziemlich rabiat zur Seite. Seine Kollegen schritten erst ein, als deswegen Protest aufkam und andere Protestierende der Gruppe "zur Hilfe eilten".

      Wie gesagt, ich möchte auf keinen Fall falsche Verdächtigungen aussprechen, aber so eine von einem (!!) Beamten ausgehende Aggression war mir neu.

      Natürlich sind die Jungs und Mädels immer schwer angespannt, was bei dem Job normal ist, aber bisher konnt ich noch mit jedem Beamten in einem "der Situation angepassten angenehmem Umgangston" reden. War bei dem Kollegen von vornherein nicht machbar.

      Ich bin kein Fan von Team Green und werd auch nie einer werden, das geb ich zu, aber ich finde respektvollen Umgang miteinander wichtig. Von beiden Seiten aus. Den ließ dieser eine Beamte komplett vermissen. Und so ein Verhalten mag ich nicht und das verurteile ich.

      Meines Wissens gab es ansonsten keine Vorfälle, im Gegenteil habe ich von teils netten Gesprächen mit den Schutzbeamten gehört. Schade, da bin ich wohl ans schwarze Schaf der Herde geraten..,

      Langer Text, puuuh...

      Ich wünsch n tollen Dienstag!


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    2. Schön zu hören, dass es keine Ausschreitungen gab. Passiert ja leider häufiger, und sowohl Team Green (Team Blue?) als auch "die Linken" müssen sich da mal an die eigene Nase fassen. Wie du schreibst - respektvoller Umgang ist wichtig.

      Jemand sagte mal, 10 Prozent Idioten gibt es überall. Dieser Beamte war dann wohl einer von denen. Und da ist Rückzug dann klüger als Provokation.

      H.O.

      PS: Ich glaube nicht, dass alle Burschenschaftler Nazis sind. Diese hier vielleicht schon, aber andere distanzieren sich auch davon.

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