Mittwoch, 15. Oktober 2014

Mitgehört (3): Mutti klärt auf

Im Zug Richtung Bremen flitzt ein fast komplett in rosa gekleideter laufender Meter glucksend hin und her durch den Mittelgang und freut sich dabei wie ein Schneekönig.

Weg von Mutti, zurück zu Mutti, wieder weg von Mutti und wieder hin zu ihr.

Jedes Mal wenn sie wieder sicher bei Mutti angekommen ist, quietscht die Kleine freudig "Mama ist da!" und die Mama lacht und knuddelt und strahlt und antwortet jedes Mal sowas wie "Ja Schatz, Mama ist hier!".

Das geht so eine ganze Weile und inzwischen beobachtet der halbe Waggon ganz angetan die Kurze und ihre Mutter.

Wieder wetzt sie auf ihren rosafarbenen Sockfüßen Richtung Mutti, fällt ihr in die Arme und quiekt dieses Mal zur Abwechslung "Papa auch da??"

Mutti stutzt kurz, dann antwortet sie staubtrocken und ohne mit der Wimper zu zucken:

"Nein, Papa ist nicht da. Es ist Wochenende und Papa hat gestern wie immer am Wochenende wieder mal zuviel gesoffen!"

Sie macht eine kurze Pause. Dann drückt sie ihre Tochter an sich und erklärt:

"Wenn man zu viel säuft, dann geht es einem nicht gut und man bekommt Kopfweh und muss spucken, liegt im Bett rum und jammert weinerlich. So wie im Moment der Papa."

Es entsteht eine erneute kurze Pause. Dann mit einer abwinkenden Handbewegung:

"Aber das lernst du noch früh genug. Wenn du nach deinem Vater kommst, dann so ab spätestens dreizehn. Warte mal ab. Jetzt geh weiter spielen, Schatz!"

Die Kleine wetzt daraufhin wieder mit unbändiger Energie den Gang auf und ab und jubiliert.

Nach ihrem Papa fragt sie nicht mehr, wenn sie in Muttis Arme rennt.

In Delmenhorst steigen die beiden aus. Kichernd und wahrscheinlich deutlich besser gelaunt als zeitgleich der Vater zuhaus.

Kommentare:

  1. Ich finde das irgendwie gruselig.

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  2. ehrliche und offene kindererziehung - der versuch dem gegenüber auf augenhöhe begegnen.
    sehr sympathisch.

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  3. Eine echte Mutter. Aus dem Kind wird was.

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  4. Men face realtiy. Women don’t.
    That’s why they drink

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