Mittwoch, 18. Dezember 2013

Tschüß "Molotow". Ein Stück Sankt Pauli ist Geschichte.

Vor knapp einem halben Jahr habe ich mich noch darüber gefreut, dass die wenigen Lieblings-Kneipen und -Clubs, die ich in dieser meiner Stadt habe, noch nicht durch Gentrifizierung oder aus anderen Gründen schließen mussten und im schlimmsten Fall durch Loft-Wohnungen oder Schicki-Lounges "ersetzt" wurden.

Und jetzt hat es innerhalb relativ kurzer Zeit zwei aus meinen Top 3 erwischt.

Zuerst musste der "Dschungel", meine liebste Kneipe der Stadt, sein angestammtes Quartier an der Schanzenstraße räumen. Das hat mir ordentlich schlechte Laune bereitet. Dann kam aber die Nachricht, man habe eine neue Ladenfläche gefunden und dort ginge es ansatzlos weiter. Das ganze im "Schlachthaus-Komplex", zu dem mit dem "Knust" auch eine der besten Konzert-Locations der Stadt gehört, ich war ein kleines bisschen beruhigt. Vor ein paar Tagen habe ich mir den neuen Laden mal angesehen und bin erschrocken.

Glattpolierte Glasfront. Dahinter lederbezogene Barhocker statt der alten liebgewonnenen Schemel, dank denen einem nach einer an der Bar des "Dschungel" an der alten Adresse verbrachten Nacht nicht nur der Schädel, sondern auch das Heck schmerzte. Ich will ja nicht unken, aber positiv stimmt mich das nicht. Rein optisch hat das Ding (von außen und durchs Fenster) jetzt was von einer Cocktail-Bar auf der Langen Reihe. Und das ist nicht gut...

Und dann die Katastrophe von Samstag Nacht.

Die Esso-Häuser an der Taubenstraße wurden geräumt und sind nun (momentan noch aufrecht stehende) Geschichte. Der Abriss war eh beschlossene Sache, jetzt geht es deutlich schneller, als alle erwartet haben.

Weil "die Wände wackelten" und "die Lampen herum schwangen".

Gut, ersteres passiert in meinem Wohnhaus auch. Zumindest vibrierende Wände habe ich hier alle drei Tage. Wenn bei den Bauarbeiten rund um meinen Wohnblock (da wird grad an drei Seiten neu gebaut bzw saniert) mal wieder eine Mauer runtergerissen wird, wackelt bei mir im dritten Stock der Boden. Wenn ein großer Jumbo-Jet im Tiefflug übers Haus fliegt und den Airport Hamburg-Fuhlsbüttel ansteuert, dann wackeln wegen irgendwelchen komischen physikalischen Effekten bei mir die Wände, da klirrt sogar manchmal das Geschirr im Küchenschrank. Kenn ich alles.

Gut, die Lampe schwankte nie (weil sie das nicht kann, da sie in ihrer Funktion als Deckenleuchter an eben dieser Decke fixiert ist), ich sehe aber ein, dass das in einem Gebäude, in dem seit locker einem Jahr der Zutritt auf wohnungseigene Balkone wegen Einsturzgefahr verboten war, schon kein allzu gutes Zeichen ist.

Ich bin nicht Statiker genug, um abschätzen zu können, wieviel Gefahr dort tatsächlich in der Luft lag.

Von daher kann ich nicht abschätzen, ob die Art und Weise, mit der dieser Situation begegnet wurde, korrekt war oder nicht. Das maße ich mir nicht an.

Fakt ist, dass ich:

- 1. wahnsinniges Mitleid mit den (jetzt ja ehemaligen) Bewohnern der Esso-Häuser empfinde. Was muss das für ein Schlag sein, von jetzt auf gleich mitten in der Nacht aus seiner Wohnung, aus der vertrauten Umgebung, aus dem Ort, der "Zuhause" bedeutet hat, gerissen zu werden! Das kann sich niemand vorstellen, der sowas nicht erlebt hat und ich WILL mir das auch gar nicht vorstellen müssen. Ich wünsche ihnen das Allerbeste.

- 2. den Verlust einer weiteren Perle St. Paulis "betrauere". Gut, die Kiez-Tanke war Kult und wird fehlen, aber mein Bier werde ich mir auch anderswo kaufen können, bevor ich dann ins "Molotow" gehe, aber... Oh, fuck, das "Molotow"...

Jepp, das wurde auch geschlossen. Genau wie die Kneipe "Planet Pauli" und die Touri-Bar "Herz von Sankt Pauli", in der ich am Abend vor der Kiez-Apokalypse mit anderen noch gesessen habe.

Um ehrlich zu sein, juckt mich der Verlust der beiden letztgenannten Orte nicht so sehr. Tut mir leid, im "Planet Pauli" war ich nie und das "Herz von Sankt Pauli" hat mich bei meinem Besuch am Tag vorm Ende ziemlich genervt, besoffene Touri-Horden und eine Lautstärke, die der in einem Fußballstadion in nichts unterlegen war. Kein Ort, der mir zusagte.

Aber um das "Molotow", da trauere ich. Der BESTE Laden für Konzerte in der ganzen verdammten Stadt!

Kellergeschoß, klein, eng, verschwitzt, duster, die Bühne keine 20 Zentimeter hoch, diese verfickte Discokugel in der Mitte des Konzertraumes, an der ich mir mal übelst die Birne gestoßen habe, während die Band auf der Bühne und ich davor tobten.

Im Molotow habe ich insgesamt drei Frauen zum ersten Mal geküsst (zwei Mal sogar beim selben Lied!), habe mit meiner liebsten deutschen Band auf der Bühne gestanden, habe mit einer anderen Lieblingsband ihr Abschiedskonzert gefeiert, habe wegen Geknutsche vorm Eingang mein einziges "Alexisonfire"-Konzert fast komplett verpasst und mein allererstes Konzert, nachdem ich nach Hamburg gezogen war, fand auch hier statt. Kettcar war`s damals, 2002.

...meine Fresse, wie wird mir dieser Laden fehlen...

Das war nicht nur ein Club, nicht nur eine Konzert-Location, nicht nur ein Ort, an dem Menschen sich bei guter Musik betrinken. Das "Molotow" war weit mehr. Eine Institution!

Das "Molotow" war Hamburger Kulturgut. Für jeden, der Musik und Konzerte liebt, muss das so gewesen sein. Und zu jedem, der das nicht verstehen kann, sage ich: "Du tust mir leid!"

Fakt ist aber vor allem, dass ich

- 3. wütend bin. Weil Menschen mitten in der Nacht aus ihren (eventuell) zusammenbruchsgefährdeten Häusern "vertrieben" wurden?

Nein!

Wütend deswegen, weil seit Ewigkeiten bekannt war, dass die Esso-Häuser sanierungsbedürftig sind. Und was wurde getan? Genau. GAR nichts!

Vor einem knappen Jahr wurden einige der Balkone mit Holzbohlen abgestützt und den Mietern der Wohnungen, zu denen eben diese Balkone gehörten, wurde verboten, sie zu betreten. Wegen Einsturzgefahr.

Jetzt frag ich mich: Warum wurde da nicht saniert? Gut, die Miete wäre gestiegen, signifikant vermutlich. Hätten einige Bewohner nicht mehr zahlen können. Das ist klar und nervt.

Jetzt, wo eine Sanierung nichts mehr rettet, ist es natürlich leichter. Die lästigen Bewohner dürfen per polizeilicher Anweisung nicht mehr in ihre eigenen vier Wände, dem Kiez gehen diverse ewig eingessesene Lokalitäten verloren, aber der Besitzer des Grundstücks, die "Bayerische Hausbau", die auch für die Räumung des "Kunsthaus Tacheles" in der Oranienurger Straße in Berlin verantwortlich ist, hat, was er will.

Endlich sind die Asis weg. Endlich ist Platz für neue hochwertige Wohnungen. Mit Aufzügen für die Luxuskarren, die unten auf der Straße sonst angezündet würden. Oder für ein Einkaufszentrum. Das fehlt doch noch auf dem Kiez. Für die Touris. Damit die da "Sankt Pauli. I was here and fucked a prostitute!"-Shirts kaufen können. Baut doch ein verficktes Einkaufszentrum, ihr Spinner. Und wundert euch dann über Farbbeutel-Attacken oder weint euch in den Medien aus über brennende SUV`s auf dem Parkplatz davor. Hat man ja nicht kommen sehen...

Am Samstag gibt`s eine Demo. Es geht um den (extrem unwahrscheinlichen) Erhalt der "Esso-Häuser" bzw darum, wie damit nun umzugehen ist, weiterhin um Bleiberecht für die Lampedusa-Flüchtlinge aus Syrien und um Verteidigung der "Roten Flora" (gegen Räumung vermute ich, weiß aber noch nichts genaueres. Und das Thema ist definitiv momentan nicht das, was mich auf die Demo bewegen wird.)

Ich gehe davon aus, dass es derbe krachen wird. So richtig. Das ist verdammt schade. Das zieht so wichtige Themen wieder in den Sektor, über den die "BILD" berichtet. "Blut-Krawalle in Hamburg, die bösen Autonomen haben mal wieder...", ich seh die Schlagzeile schon vor mir...

Ich werd am Samstag auf der Demo sein. Fotografieren und skandieren. Später drüber schreiben.

Ich würd mich freuen, wenn man es mir gleich tut.

Die Demo startet am Samstag um 14 Uhr vor der "Roten Flora" am Schulterblatt und geht dann über den Neuen Pferdemarkt, Reeperbahn, Simon-von-Utrecht-Straße bis hin zur Glacischaussee. Das ist der Plan. Wird im Leben nicht klappen, weil die Veranstaltung garantiert zwischendrin durch die Cops "aufgelöst" wird (vermutlich, weil mal wieder Vorstadtkids randalieren). Aber man kann`s ja mal probieren. Und Sinn hat die Geschichte definitiv.

Es ist eine Scheiß-Situation grad und ich hoffe, es wird das Beste daraus gemacht.

Eine gewaltlose Demo am Samstag wäre ein gutes Zeichen.

Einzig, mir fehlt der Glaube...

Kommentare:

  1. Drück die Daumen, Alter. In dem Laden war ich auch schon. Schlimm, wenn Erinnerung verschwindet.

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    1. Jepp. Die Sache hat mir die Laune mal schön komplett zerschossen. Gedrückte Daumen nehm ich gern, aber ich fürchte mal, dass das hier vergebene Liebesmüh ist. Genau wie die Demo am Samstag, selbst wenn die tagsüber friedlich abläuft (und ich wette drauf, dass das nicht der Fall sein wird!), kommen abends/nachts die Idioten und die Krawall-Touris aus ihren Löchern gekrochen und reißen die ganze gute Sache gröhlend und saufend wieder ein. Ich könnte im Strahl kotzen!

      (Hab die Freischalt-Geschichte geändert, sollte jetzt alles problemlos ablaufen. Hat heut etwas gedauert, ich war lange unterwegs. Sorry.)

      Hau rein!

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  2. das molotow.. das molotow..das molotow.. hab schon mit 14 in dem laden auf nem alten sessel rumgelümmelt und mir von meim großen bruder n bier spendieren lassen. ganz groß - in dem ganz kleinen, schmuddeligen laden. er wird fehlen mit seinem halbdunkel und dem einfach perfekten ranz-ambiente.

    s'hart. was tun? auf die demo, jo. sollte meinen arsch hochkriegen. 14uhr rote flora. seh ich richtig, ja? kann dich gut verstehen. is zum kotzen und sonst fühl ich mich auch so martin luther king. aber derzeit, mehr und mehr, tendier ich richtung malcom x. vielleicht liegts daran, dass ich fight club les, oder nur am winter, oder daran, dass irgendwie alles beschissen wird und gleichzeitig der wille ungebrochen ist es nicht hinzunehmen und einen auf biedermeier zu machen. stille resignation und portugal the man auf den heimischen kopfhörern. weiß nicht, obs der vom kiezneurotiker irgendwann mal angesprochene zorn ist. aber ich fühl mich wütend. immer mehr. auf die demo gehts. mobil machen. farbe bekennen. es wenigstens versucht haben. irgendwas.

    - der mit dem roten kop' und dem dank für die kältebusnummer. in der zukunft dann einfach: - j

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    1. Moin :) 14 Uhr vor der Flora ist das, was ich bisher so mitbekommen (=gelesen) habe. Fragt sich, wann der Demo-Zug dort dann losgeht, denn das Polizei-Aufgebot wird massiv sein (was ich sogar nachvollziehen kann).

      Hatte mich aber falsch ausgedrückt: Es gibt am Samstag insgesamt drei Demos.

      Neben der in der Schanze startet um 13 Uhr ne Demo pro Lampedusa am Steindamm und soll dann die Mö runter gehen.

      Und für die ESSO-Häuser und deren Rettung (wie auch immer die inzwischen noch aussehen soll), geht auch noch was separates. Uhrzeit&Treffpunkt liefere ich nach, hab ich grad nicht auf dem Schirm, sorry.

      Ich gehe allerdings schwer davon aus, dass eine Mehrzahl der Teilnehmer aller Demo-Züge sich am Ende zu einer Demo vereinen wird und ich vermute, dass das wohl in der Schanze passieren wird. So war`s ja schon öfter mal.

      Bleibt zu hoffen, dass die Nacht von SA auf SO nicht so bitter wird, wie ich denke. Ausnahmsweise mal friedlich demonstrieren und ein positives Zeichen setzen, das die Springer-Presse nicht in der Luft zerfetzen kann...DAS wär mal was. Ich setze mein Geld aufs Gegenteil.

      Denn bis Samstag auf der Demo! Komm gut ins Wochenende!

      (Btw: "Portugal the man", nice! Hab ich mal live gesehen. Vielleicht war das sogar im Molotow? Gut möglich...)

      Mein Ohrwurm seit Samstag Nacht: Natürlich DIE Hymne auf`s Molotow. Muff Potter.

      http://www.youtube.com/watch?v=qW_0j9_Byec

      Erst die Band weg, jetzt der Laden. Ach, fuck...!!

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    2. Moin -J, kurze Info: Mir wurde heut zugetragen, dass die Demo an der Flora erst um 15 Uhr beginnen soll, um bzw AB 14 Uhr ist lediglich allgemeines Zusammentreffen angedacht!

      Wann sich der Zug dann in Bewegung setzt, steht aer wohl in den Sternen. Hänt sicher davon ab, was so alles vor der Flora/in der Schanze passieren wird. Einen Vorgeschmack gab`s ja vorhin schon, Stichwort Davidwache...

      Ich bin evtl erst was später auf der Demo, ich hab blöderweise noch einen Termin für den frühen Nachmittag aufgedrückt bekommen :(

      Komm gut in und vor allem durch den Tag. Stay safe!

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  3. Lese wie immer mit.
    Drücke auch die Daumen.
    Kenne das, wenn einem Erinnerungen, Heimat, oder wie man die Zugehörigleit zu Orten sonst nennet, weg genommen wird.

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  4. Danke! In diesem Fall empfinde ich es als "besonders schlimm", weil es aus heiterem Himmel passierte. Am Freitag stand ich noch vorm "Molotow", am Samstag war da sogar noch ein Konzert und Sonntag Morgen les ich im Netz, dass ein für alle Mal Feierabend ist. Das hat mich ganz gut "schockiert", wenn man den Ausdruck in diesem Fall nutzen darf... Momentan geht`s echt bergab mit "meiner Stadt". Aber ihr Berliner kennt das ja schon lange noch extremer, wem erzähl ich also was... ;(

    Hab ein schönes Wochenende!

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  5. was sachste zur demo? schön wie sie gleich an nadelöhr gestoppt wurde..
    http://www.metronaut.de/2013/12/hamburg-die-maer-der-angreifenden-demonstranten/

    http://www.publikative.org/2013/12/21/eskalation-in-der-schanze/

    http://mobil.n-tv.de/politik/politik_kommentare/Was-alles-nicht-gesagt-wird-article11969856.html

    war da. bin sauer. hab gefroren und mir dumme scheiße anhören müssen während ich mir die beine in den bauch stand. pisse. rotz. ranz. verfickte kacke.

    - j

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    1. Moin -j,

      ich hatte einen recht langen Text zu dem, was ich von der Demo mitbekommen habe (war wegen eines Termins leider etwas spät dran), geschrieben - dann schmierte der PC ab. Text weg. Arschlecken!

      Jetzt bin ich zuhaus bei der Familie und hoffe, daß ich nachher, wenn das Chaos beendet ist und ich ein bisschen guten Wein und guten Whisky drin habe, nochmal zum Schreiben komme.

      Danke für die Links, einen kenn ich bereits, die anderen schau ich mir noch an!

      "pisse. rotz. ranz. verfickte kacke." - du fasst einige Geschehnisse vom Wochenende schon gut zusammen. Hoffe, du bist wenigstens heil da raus gekommen?

      Ich wünsch erstmal einen entspannten Abend.

      T_

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  6. http://www.taz.de/Flora-Krawalle-in-Hamburg/!130045/

    -j

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    1. Moin -j!

      Ich hab es leider nicht mehr geschafft, meine "Erlebnisse" auf der Demo nochmal wieder in einer ansprechenden Form nieder zu schreiben, von daher werd ich (zumindest was den 21.12. angeht) keinen neuen Text mehr posten. Aber das wird ja nicht die letzte Demo gewesen sein, bei der es um Flora, Esso etc geht, von daher werden da weitere Erfahrungen kommen, über die ich schreiben kann.

      Um aber deine Frage vom 24.12. zu beantworten, versuche ich mal, relativ knapp zusammen zu fassen, was ich am 21. erlebt habe.

      Ich war spät dran (hatte noch einen Termin in der Innenstadt), als ich gegen 15 Uhr in die Schanze kam, war das Chaos schon ausgebrochen. Zum Beginn des Ganzen habe ich also persönlich nichts beobachtet. Berichte von Freunden, die dabei waren und viele Videos, die ich teils auf youtube, teils auf den von dir geposteten Links (danke dafür!) und anderswo gesehen habe, sprechen aber eine eindeutige Sprache. So wenig Verständnis ich auch für fliegende Steine und Flaschen habe, in diesem Fall scheinen(!) sie "nur" Reaktion statt Aktion zu sein. Wie gesagt, ich habe selber den Start des Ganzen nicht miterlebt.

      Ich bin von der U Schanze bis zum Schulterblatt durchgekommen und habe es grade noch aus dem Kessel Schulterblatt/Juliusstraße heraus geschafft. Ich hatte den Eindruck, dass die Polizei deutlich "aggressiver"...sagen wir lieber deutlich "ungestühmer"... als sonst vorgegangen ist. Teilweise sah das sehr planlos aus. Draufhauen und fertig. Das habe ich so noch nicht erlebt. Ich war zuvor bereits in der Mönckebergstraße(!) kontrolliert worden, da ich angeblich "vermummt" war (dunkler Schal gegen Kälte&Wind) und das Ganze lief auch schon in eher aggressivem Tonfall ab. "Eyh, stehenbleiben! Ich will den Ausweis sehen!" - "Wie bitte?" - "Ausweis! Hörst DU(!) schlecht?" Das ganze mit der Hand am Pfefferspray. Krasser Scheiß.

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    2. Hab dann ne SMS bekommen von Bekannten, die auf dem Weg gen Reeperbahn waren, allesamt "Demo-Rookies", Schanze war ihnen "zu heftig" und sie wollten zu den ESSO-Häusern. Auf dem Weg dahin bin ich in der Wohlwill an nem uralten entglasten Fiesta vorbei gekommen. Ich hab für sehr vieles Verständnis, aber Studi-Karren zerbomben gehört nicht dazu. Wenn`s schon das Eigentum anderer sein MUSS, dann doch bitte die Luxuskarre von dem Typen, dem es nicht weh tut und der an der ganzen Gentri-Kacke indirekt mit "schuld" ist, weil er sich die teuren Lofts leisten kann (Achtung, mitschwingender Sarkasmus). Wahlweise den Lambo von dem schmierigen Luden, der ständig in Schritttempo durchs Schulterblatt rollt. Die Karre würd ich höchstpersönlich...weißt schon, was ich meine.

      Meine Leute hab ich, als es dann auf dem Kiez los ging, relativ schnell verloren, die müssen blindlings ins Verderben (lies: Den Kessel in der Taubenstraße) gerannt sein, ich bekam noch eine SMS und das nächste, was ich hörte war spät nachts, da hatten sie die GeSa wieder verlassen dürfen.

      Da war ich schon zuhaus, ich hatte lange versucht, irgendwen zu erreichen und als ich auf Twitter von Schwerverletzten in der Kastanienallee las, hab ich mir gedacht, es wär besser, zu gehen und von zuhaus weiter zu versuchen, meine Leute zu kontaktieren.

      Im Großen und Ganzen bin ich der Meinung, dass die Cops unverhältnismäßig reagiert haben, sowohl, was den Start des Riot angeht (wie gesagt, meine Meinung gründet auf Erzählungen&Videos) als auch, was den weiteren Verlauf angeht (eigene Erfahrungen/Beobachtungen in Juliusstraße und Reeperbahn/Taubenstraße). In keinem Moment will ich das Verhalten der Demonstranten entschuldigen. Da waren natürlich wieder ganz viele krawallgeile Deppen dabei, deren Verhalten nun wieder auf die Flora bzw auf den politisch linken "bösen Autonomen" zurück fällt. Toll. Solche Pisser meinen, sie tun der Flora durch ihren "Protest" was Gutes, dabei bewirkt es genau das Gegenteil! Das ist NICHT hilfreich!

      Das die Medien von Springerpresse bis zu RTL natürlich wieder nur von "irgendwasundzwanzig verletzten Polizisten" und dem "bösen schwarzen Block" berichten, war ja eh klar. Da kannste bei ner Demo zu der Thematik auch fünf alte Omis hinstellen, die Kaninchen streicheln - den Schwarzen Block wirste in den Medien trotzdem finden. BILD dir deine Meinung...Abfuck.

      Ich denk, die Vorgabe für die Cops war: "Beendet die Demo, bevor sie richtig angefangen hat!" Genau das haben sie getan. Die Auswirkungen dessen waren voraussehbar, wurden aber wohl in Kauf genommen, denn die kann man ja hinterher durch die Medien wieder gegen die Demonstranten verwenden. Das war eine verfickte Farce und ich ahne jetzt schon Übles bei der nächsten Demo - vor allem, wenn der Kretschmer Ernst macht und die Flora räumen lassen will. So blöd KANN er eigentlich nicht sein, aber...

      Ich hoffe, das reicht dir so erstmal als Bericht meinerseits.

      Schön, dass du an einem Stück aus der Nummer raus gekommen bist!

      Hau rein!

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