Mittwoch, 6. November 2013

Friedhof der Halloween-Kürbisse

Halloween ist vorbei.

Ein Jahr Ruhe.

Feierabend.

Sense.

Die Dekorationen haben ausgedient.


Na dann mal rein damit in den nächstbesten Bauschutt-Container.

In Hamburg sagt man "Tschüß"!!

Dienstag, 5. November 2013

Kühltruhen gegen Eistiger: In der O2 World beim Eishockey

Sportveranstaltungen besuche ich gerne.

Ich saß schon in diversen Ländern in Fußballstadien, ich habe diverse Basketballspiele feiernd mitverfolgt, ich saß bei Boxkämpfen in Ringnähe und habe Schweiß und manchmal Blut spritzen sehen, ich habe mir American Football angeschaut, gut, das war eine Amateur-Liga, es knallte aber trotzdem ordentlich, ich habe in den USA einige Baseballpiele live im Stadion gesehen, die Regeln verstanden und bin seitdem glühender Fan.

Außerdem habe ich in Hamburg den Marathon und das Radrennen namens "CyClassics" mehrmals angeschaut, meist verschlafen (oder immer noch wach) am frühen Sonntag, denn auf einer Teilstrecke laufen bzw. fahren die Teilnehmer mir fast durch mein Schlafzimmer. Da kann man sich also auch gleich direkt an die Strecke setzen und den übermüdeten Motivator geben.

Jetzt also Eishockey.

Ein Sport, mit dem ich im TV absolut gar nichts anfangen kann, weil ich nämlich nie sehe, wo dieser verdammte Puck ist, den die Spieler hin und her bolzen. Ich sehe die Teams kreuz und quer übers Eis flitzen, ab und an fällt mal einer hin, und plötzlich leuchtet dann ein kleines Lämpchen hinter einem Tor, weil irgendwer unbemerkt von mir den Puck ins Netz gehauen hat. Dann wird sich gefreut und man haut dem Torschützen aus Freude auf den Helm, so kenn ich das zumindest, ich sitze dann vorm TV und weiß nicht, wie und warum das Tor nun eigentlich gefallen ist und wer es erzielt hat, weil der Puck meist selbst in Zeitlupe noch viel zu schnell fliegt.

Aber die Stimmung soll ja großartig sein bei Eishockey-Spielen, das höre und lese ich immer wieder.

Also nahm ich die nette Einladung, die ich letzte Woche bekam, natürlich gern an. "Ich bin an zwei Freikarten für das Spiel am Freitag geraten, vielleicht hast du ja Lust?"

Ich hatte.

Die Anreise zur O2 World gegenüber der Arena des HSV gestaltete sich dank Schienenersatzverkehrs, einem Fußmarsch durch den Diebsteich-Tunnel (einen der vermutlich ätzendsten Orte der Stadt, ich werd separat nochmal drüber schreiben, wenn ich Beweisfotos habe) und einer Fahrt in einem vollgestopften Shuttle-Bus zur Halle recht abenteuerlich, entertained wurden wir durch einen Irren, der auf seinem ollen Holland-Damenrad parallel zum Bus einen Wheelie auf dem Gehweg hinlegte. Mit nem Mountain Bike kann das ja auch jeder...

An der O2 World angekommen wurde das Dosenbier weggehauen, die hinterlegten Karten wurden abgeholt und hinein ging`s ins Vergnügen.

Die Sitzplätze mit prima Sicht auf`s Eis waren schnell gefunden. Also auf und eine Runde umschauen und orientieren. Und neues Bier organisieren. Entspannt wurde smalltalkend eine Runde gedreht, das Bier geleert und sich gemeinsam über das abwechslungsreiche Publikum gefreut. Vom uralten ins hellblaue Freezers-Trikot gekleideten Ehepaar jenseits der 80 über Großfamilien im Einheitslook über Hardcore-Fans von der Statur eines Vierzigtonners über Jugendgruppen mit Justin-Bieber-Frisuren über anscheinend allein oder paarweise angereiste und großteils echt hübsche junge Frauen, die vielleicht darauf hofften, nach dem Spiel einem der Stars des Teams über den Weg zu laufen, zumindest waren sie teils aufgebrezelt wie für eine Nacht auf dem Kiez, war eigentlich alles vertreten. Das hatte ich so nicht erwartet.

Meine beiden Highlights des Rundgangs kamen in klein und extrem niedlich...


...und in eckig, bunt beschriftet und auf einer weißen Tischdecke.


So ein Käsesoßen-Automat sollte in keinem guten Haushalt fehlen! Ich war begeistert!

Ein weiteres Bier später saßen wir mit noch einem weiteren Bier, man will ja vorbereitet sein, auf unseren Plätzen, das Prozedere vor dem Spiel war beeindruckend, Laserblitze, die Namen und Konterfeis der Spieler wurden auf`s Eis projeziert, großes Kino! Ich war zu dem Zeitpunkt schon begeistert.


Das Spiel an sich war spannend, ist aber schnell erzählt.

Anstoß erstes Drittel, irgendwas passiert, 1-0 für die Freezers, "Juhuu Juhuu", mit der Klatschpappe klatschen (das Zeug ist recht lustig, man darf es aber nicht zu lange benutzen, denn sonst hat es was von Selbstgeißelung wie beim Albino-Mönch im "Da Vinci-Code" von Dan Brown), irgendwas passiert, Drittelpause.

Toilettengang und neues Bier und hübsche Frauen gucken.

Anstoß zweites Drittel, irgendwas passiert, Auftritt des Freezers-Maskottchens ein paar Meter neben uns,


irgendwas passiert, 2-0 für die Freezers, "Juhuu Juhuu", mit der Klatschpappe klatschen, über den Gegner lästern, "Wie, und das soll jetzt der Tabellenführer sein?", Strafe folgt auf dem Fuß, zack, Gegentor, nur noch 2-1 für die Freezers, Drittelpause.

Neues Bier und hübsche Frauen gucken.

Anstoß drittes Drittel, irgendwas passiert, 3-1 für die Freezers, Juhuu Juhuu, mit der Klatschpappe klatschen, über den Gegner lästern - Spielunterbrechung.

Spielunterbrechung aufgrund einer Werbeaktion des Engtanz-/Abschuss-/und Restefick-Schuppens "Thomas Read" auf der Reeperbahn. Halbnackte junge Frauen springen zwischen den Zuschauern auf der Gegengeraden umher und verteilen Freibier. Das ganze wird unterlegt mit schlechter RnB-Mucke. Nach einer Minute ist der fast schon peinliche Spuk vorbei und die Hälfte der Bierverteilerinnen ritzt sich in der Umkleide vermutlich erstmal ob des unwürdigen Nebenjobs... Das ein Spiel der höchsten deutschen Liga für sowas unterbrochen wird...wow. Ich wusste gar nicht, dass das überhaupt möglich ist.

Spielunterbrechung beendet, keine Halbnackten mehr zu sehen, irgendwas passiert, zack, Gegentor, nur noch 3-2 für die Freez...ZACK, Gegentor, oh, es steht 3-3. Das ging fix.

Auf ein Mal ist es recht still in der Halle. Das Spiel war schon gewonnen und jetzt das... In der Reihe hinter mir schlägt eine Hübsche die Hände vor`s Gesicht - allerdings wohl eher, weil sie sich zu Tode langweilt und ihr Kerl, komplett in hellblauer Freezers-Uniform gekleidet, seit über zwei Stunden kein Auge für sie hatte. Und wenn doch, dann erklärte er ihr, was grad auf dem Eis passierte - was sie aber so wenig interessierte, wie das momentane Wetter in Islamabad oder ob der Torwart des Gäste-Teams Linksträger oder Rechtsträger ist. Und er bemerkte es nicht. Dabei hatte sie sich extra hübsch gemacht, nicht billig "hübsch", sondern tatsächlich wirklich hübsch. Sie hatte sich den Abend wohl anders ausgemalt und ich habe so etwas wie Mitleid.

Ist aber egal jetzt, denn die Verlängerung geht los.

Angriff, Schuss, TOR, 4-3 für die Freezers, Juhuu Juhuu

Feierabend.

18 Sekunden Verlängerung, dann Tor, dann Schluss.

Spielende.

Ich bin verwirrt. Ich wusste ich nicht, dass es beim Eishockey ein "Golden Goal" gibt, welches im Fußball ja (zurecht) so grandios gescheitert ist, "Schland" durch Oliver Bierhoff aber dennoch 1996 einen Titel verschaffte.

Ausgang. Warten auf den Bus zur S-Bahn-Station. Nachtaufnahme.


Ab Richtung St. Pauli. Abschlussbier. Dann in die U3 und heim.

Aufschlag im heimischen Wohnzimmer gegen 1.15 Uhr. TV-Programm checken. Eine Lieblings-Serie läuft von 1.25 bis 4.00 Uhr.

Punktlandung! Rein in den Fernsehsessel, Chips links, Getränk rechts...

Ruhe. Zufriedenheit. Und Orgelmusik im Hinterkopf.

Dät-dät-däää-dät, dät-dät-däää-dät...DÄT-dät-däää-dät...DÄT-dät-däää-dät...Dädädädät-dädääää!

Die Schweineorgel. Wird ausgeschaltet. Im Kopf.

Ich habe nach wie vor absolut keine Idee von Regeln und wie was warum passiert. Und mir hat eine anständige Hauerei gefehlt, denn das gehört für mich zu einem Eishockeyspiel dazu.

Ansonsten: Großartig!

Da bin ich gern öfter dabei!

Freitag, 1. November 2013

Über den Tellerrand - Ein paar Links zu tollen Blogs/Texten (5)

Nachträglich Happy Halloween.

Haha, ja, genau. Happy Halloween, Arschlecken! Ich bleib bei meiner Meinung vom letzten Jahr.

In der "wirren Welt Berlins" sieht das ähnlich aus. Oder vielleicht doch nicht?

Ganz anders läuft`s bei Amélie. Da wird das Schnitzmesser geschwungen. Aber wenn der Zwerg das so möchte, was soll man anderes tun? Mir gefällt`s!

Somit habe ich mein "Halloween theme" abgeschlossen, bis ins nächste Jahr ist vermutlich Feierabend damit.

Aber ein paar Links habe ich noch, zum Beispiel einen, den ich beim Kiezneurotiker mutwillig gestohlen...sagen wir "geliehen"...habe. Sorry `bout that. Aber einen Link, wegen dem ich vor Lachen fast erstickt wäre, wollte ich dann auch selber teilen.

Auf Kreuzberg Süd-Ost gab es mal wieder einen großartigen Text zu einem traurigen und wütend machenden Thema: Gentrifizierung. Hier ist er.

Auch aus Berlin, allerdings aus einer anderen Ecke der Stadt, aus dem Wedding, schreibt Karo. Ich kenne den Blog noch nicht lange und habe noch längst nicht alles gelesen, ich mag den Blog aber jetzt schon sehr. Ich mag die Art, wie Karo schreibt und ich mag, was sie schreibt. Und ich mag Wortschöpfungen wie "Scheißigkeit". Ich verlinke den aktuellsten ihrer Texte, es könnte auch jeder andere sein, mir haben bisher alle gelesenen prima gefallen! Es lohnt also (wie bei allen anderen verlinkten Blogs auch), sich ein wenig umzuschauen.

Zum Abschluss noch eine Foto-Serie, die mich umgehauen hat. Die bekloppten russischen Roofer, die im Sommer Schlagzeilen machten, weil sie auf dem Kölner Dom herumgekraxelt sind, haben ihre einen Monat lange Tour durch Europa, bei der auf alles hinaufgeklettert wurde, was irgendwie im Weg stand, mal in einem ellenlangen und mit vielen Bildern garnierten Blogpost zusammen gefasst. Bei einigen der Fotos habe ich vorm heimischen Monitor Schwindelanfälle und zittrige Knie bekommen... Das ganze ist auf Englisch, aber selbst wenn man der Sprache nicht mächtig ist: Die Bilder sprechen für sich. Absoluter verdammter Wahnsinn!!

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Barmbek goes Hollywood

Letztens, abends, kurz nach 20 Uhr.

Ich laufe die Fuhle Richtung Ohlsdorf hinauf, Einkäufe im Rucksack. Kurz nach Hause, kurz Mutter anrufen, dann rüber zu Kumpel F., da Pizza in den Ofen und PS3-Controller in die Hand. Bei PES14 stehen wichtige Spiele an, das Double aus Meisterschaft und Champions League-Sieg ist greifbar. Im Pokal gab es eine bittere Zweitrundenpleite...

An der Ecke Fuhlsbüttler Straße/Heidhörn ist durch Lichtmasten alles hell ausgeleuchtet, ich sehe Menschen in grellen Warnwesten und orangefarbene Hütchen, die die Zone vorm ansässigen, längst geschlossenen Blumenladen absperren. Menschen laufen hektisch herum und tun wichtig, Kameras werden ausgerichtet, einer mit Schiebermütze, 5-Tage-Bart und buntem Sommerschal kommandiert herum, er ist hier Chef.

"Oh, einer, der was mit Medien macht! Hier an der Fuhle!" denke ich. "Die Einschläge kommen näher."

Ein bisschen Zeit hab ich über, also stell ich mich mal an die unüberwindbare Hütchen-Grenze und warte ab. Das könnte hier lustig werden.

Keine drei Minuten später das erste Drama.

Ein älterer Herr betritt unbedacht die "no go area", der Sommerschalträger kollabiert fast und läuft schreiend auf den Übeltäter zu, der verwirrt stehen bleibt.

"Sind Sie blind?!?!?" - "Äh...wie bitte?" - "Hören Sie mal, Sie können hier nicht einfach durch, ICH DREHE HIER!!"

Ich muss lachen. Alle anderen auf diesem albernen TV-Set waren bisher zumindest ansatzweise sinnvoll beschäftigt, selbst wenn es nur die korrekte Positionierung der Absperr-Hütchen war.

Kollege Sommerschal stand daneben, stolz wie ein Pfau, den Wahn im Blick und freute sich wahrscheinlich auch untenrum. Denn ER DREHT HIER. Sonst keiner. Nur er. Gottgleich! Sein Meisterwerk. In Hamburg-Barmbek. Nord. Vor einem verschlossenen Blumengeschäft.

Ich bin entsprechend beeindruckt.

Dann muss ich gähnen.

Inzwischen erwarte ich hier bei all dem Trara niemand geringeren als zumindest den Schweiger, einen Tatort-Dreh oder doch bitte wenigstens Nora Tschirner, die aus dem Gebüsch springt, um mir ihre Liebe zu gestehen. Sie hätt sich gern mehr Mühe geben dürfen, aber mein Gott...

Stattdessen stoppen die Bekloppten dann sogar den Verkehr auf der vierspurigen Fuhlsbüttler Straße, ich denke nicht, dass das überhaupt erlaubt ist?

Der Sommerschalträger bellt Befehle durch die Gegend, ich überlege, wie er ohne seine Schiebermütze, dafür aber mit Seitenscheitel und Oberlippenbärtchen aussehen würde.

Straße ist frei.

Es kann losgehen.

In welchem Gebüsch oder hinter welchem Auto mag Nora Tschirner sich wohl verstecken??

Ich bin gespannt.

Klappe. Los geht`s.

Ich höre, wie der Sommerschalträger einem, der auch wichtig guckt "Sie packt das! Sie ist gut!" zu raunt.

Eine in stylische Hot Pants und Flattershirt gekleidete Gescheiterte aus einer der letzten "GNTM"-Staffeln "stolziert" über die Straße und tut so, als telefoniere sie.

"Was? WAS hat die Bitch gesagt?? Eyh, echt! Eyh, ich schwöre so, ja? Ich SCHWÖRE, das du nur laberst! Ja. Ja, Dschastin, ich dich auch!"

Der junge Typ neben mir strahlt seinen Kumpel an. "Geil Mann, endlich auch "Hamburg: Tag und Nacht", die in Berlin sind voll unrealistisch, die tätowierten Asis!"

Während ich mich darüber freue, wie realistisch die Darstellungskunst der Minderbemittelten anscheinend auf andere Minderbemittelte wirkt, dürfen die Autos wieder fahren. Der Sommerschalträger brüllt sein Model zum Rapport, ich kann wieder lauschen.

"Sexier muss das sein! Mehr mit dem Arsch!"

Er macht`s vor.

Da steht vor einem verschlossenen Blumenladen auf der Fuhle ein metrosexueller Möchtergern-Regisseur um die 50, hält sich für einen, vermutlich DEN kommenden Star der Szene und wackelt mit seinem in eine viel zu enge Jeans gezwängten Hinterteil wie Miley Cyrus bei den "Emmys". Ich habe selten verstörenderes gesehen...

Nach ungläubigen Blicken breche vor Lachen fast zusammen, mein neuer Nebenmann ebenfalls. Als er sich halbwegs beruhigt hatte, krächzte er ein "Was war jetz ditte?" hervor. Vor Lachen konnte ich leider nicht antworten...

Die "Schauspielerin" stakst schmollend zurück in die dunkle Seitenstraße, die "Film-Crew" macht sich bereit, die vier Spuren der Fuhle erneut dicht zu machen. Neuer Take.

Aber da spielen weder die Autofahrer noch mein Nebenmann oder ich mit, inzwischen habe ich bereits zu lange gewartet.

Fußgänger laufen, Autos hupen und umfahren "welche, die was mit Medien machen" und selbige hechten zwischen den Fahrbahnen hin und her, wie "Frogger" zu seinen besten Zeiten.

Der Sommerschalträger brüllt herum. Die bei "GNTM" Gescheiterte übt das Arschwackeln. Die Sklaven des Sommerschalträgers, DER HIER GRAD DREHT, fürchten vermutlich Sanktionen...

...und ich und mein immer noch lachender Nebenmann aus der Hauptstadt laufen noch ein paar Meter zusammen die Fuhle herunter. Im breiten Berliner Akzent verabschiedet er sich dann.

"Alta...in Balin machense keen Alarm, wenn Clooney kommt. Is normal. Hier is dit nich normal, wenn ne Frau üba ne Straße looft? Und die sah nichma jut aus! Muss man die kenn??" Ich verneine, wünsche ihm noch einen schönen Abend und mit ein bisschen Wehmut und Fernweh nach "Balin" mache ich mich auf zu F.`s Wohnung.

Pizza in den Ofen, Controller in die Hand, dann an der Play Station im Halbfinale den AC Mailand schlagen.

Prioritäten setzen.

Die Champions League gewinnt man auch virtuell nicht so nebenbei...

Sonntag, 27. Oktober 2013

Jagdfieber in Wandsbek

Im Herbst 2011 lag in Wandsbek der Geruch von Schießpulver und Blei in der Luft, denn vor etwas mehr als zwei Jahren fand dort das ...



...statt.

Macht sich sicher gut überm Kamin, so eine Trophäe eines selbstgeschossenen Wandsbeker Bürgers.

Waidmanns Heil!

Skyporn Volume 3: Heute mal Berlin

Sommer 2013.

Am Holocaust-Mahnmal mit saufenden Spaniern, rotzenden Skandinavierinnen und gröhlenden Kleinkinderhorden samt ihrer Hippie-Mutti. Grauselig. Ich schrieb darüber.

Eine gute Sache hatte das Ganze dann aber doch.

Den Himmel über Berlin-Mitte.



Ich bin gern am Holocaust-Mahnmal, aus beschriebenen Gründen lieber abends oder nachts, aber abends oder nachts wäre mir so ein Foto nicht geglückt. Ich finde die Wolken auf dem Bild, ohne jetzt nach Eigenlob stinken zu wollen, wahnsinnig.

Wie Omi immer sagt: "Das Glück ist mit die Doofen!"

Montag, 21. Oktober 2013

Skyporn Volume 2

Ich mag sie ja, die Hafen-City. Hamburgs Rückzugsort für all die armen Seelen, die nicht wissen, wohin sie mit ihrem ganzen Geld sollen. Ich würde ihnen diese finanzielle Last ja von den Schultern nehmen, teilweise zumindest, bisher hat aber noch niemand mein Angebot wahrgenommen.

Wenn der im Normalfall recht nervige, weil schnöselige Hafen-City-Bewohner grad besseres zu tun hat, im Whirl-Pool chillen, am 50-jährigen Whiskey nippen, einen neuen Luxus-SUV kaufen, wahlweise einen mit Whirl-Pool und Whiskey-Bar an Bord, wenn er einen also mal in Ruhe leben lässt und nicht vom 60-qm-Balkon abschätzig herunter äugt, dann kann man da in der Hafen-City am Wasser in der Abendsonne echt eine gute Zeit haben.

Ich weiß nicht, wie der Teil der Hafen-City heißt, an dem das Foto entstanden ist (obwohl ich den Ort jederzeit wiederfinden würde), aber das zugegebenermaßen schon etwas ältere Bild mag ich sehr.



Wenn da nur nicht diese dämliche Lichtreflektion unten rechts wäre...

Wobei: Perfektion ist ja irgendwie auch langweilig. Oder nicht?

Sonntag, 20. Oktober 2013

Mit der Lieblingsband in der Markthalle

Montag Morgen, die Augen sind verklebt, der Nacken schmerzt, in den Ohren klirrt es, alles in allem ein Gefühl, als hätte einen am Abend zuvor ein Bus überfahren.

Der Bus heißt "boysetsfire" und hat mich mal wieder mit voller Breitseite erwischt. Die allerliebste Lieblingsband hat sich unheiligerweise einen Sonntag Abend ausgesucht, um das Hamburger Publikum zu beglücken und mir mal ordentlich die Gehörgänge frei zu pusten.

Das hat ganz gut geklappt.

Rückblende. Vor dem Konzert, 19.30 Uhr.

Inmitten einer großen Gruppe der üblichen schwarz gekleideten, volltätowierten und an seltsamsten Stellen gepiercten Verdächtigen nuckele ich an meinem Bier und warte vor der Markthalle auf Kumpel N., der die Tickets hat. Mit zehn Minuten Verspätung taucht er auf und hebt sich mit seinem weiß/rosa karierten Hemd deutlichst vom Rest der Konzertbesucher ab. Meinen fragenden bis vorwurfsvollen Blick kommentiert er mit "Sorry, vor sieben Stunden saß ich noch auf dem Oktoberfest! Komm grad frisch aus dem Flieger...".

Das macht`s nicht besser. Die Tickets fischt er aus seinem Rucksack. Din A4, ausgedruckt auf vermutlich wiederverwertbarem Papier, streng mittig gefaltet.

In meinen über zehn Jahren in Hamburg war ich auf locker 20 Konzerten in der Markthalle, die ist eine Legende in der norddeutschen Konzertgänger-Szene. Zumeist waren die Konzerte großartig, einige Ausfälle waren auch dabei, das lässt sich nicht ändern.

Ich verbinde einige Erinnerungen mit diesem Ort.

Die Narbe, die fast komplett meine linke Augenbraue durchzieht, habe ich mir im Dezember 2004 beim "Fuck X-mas Festival" abgeholt, ein Ellenbogen traf mich beim Toben vor der Bühne, das Blut spritzte, die weibliche Begleitung quiekte, ein riesengroßer Volltätowierter, zu dem der Ellenbogen gehörte, kollabierte fast und der eilig herbeigerufene Sanitäter lobte, meine sei "die sauberste Platzwunde, die er je gesehen hat". Er musste nichtmal nähen, er pappte nur ein Pflaster drauf. "Die wächst von allein wieder zu, so eine tolle Platzwunde ist das!" verkündete er strahlend. Im Platzwunden-Heftchen hätte er mir garantiert einen lachenden Smilie gestempelt! Der Freak...

Mit meinem blutigen Shirt und meiner supertollen selbstheilenden Platzwunde war ich dann der Held auf dem Konzert, selbst die Band fragte von der Bühne hinab nach meinem Befinden.

2006 versuchte hier jemand, meine Herzdame zu küssen, was ich nicht so angebracht fand und per rechtem Haken "verhinderte". Folge war ein einjähriges Hausverbot...wer konnte denn auch ahnen, dass der dickliche Typ der Bassist der auftretenden Band war? Ich wusste das zumindest nicht. Es war mir dann aber auch egal. Falsche Frau geküsst, Arsch! Und deine Band? Unter "ferner liefen"...

Das Konzert fand trotdem statt, die Band war aber doch merklich verstimmt und ergo war der Auftritt unmotiviert und sehr kurz.

Wurde mir erzählt. Von einem Freund. Ich war ja nicht mehr dabei und auch meine damals bessere Hälfte hatte keine Lust mehr auf das Konzert. Sie hat sogar den Eintritt erstattet bekommen. Denn sie konnte ja wegen "eines unglücklichen Zwischenfalls" nicht am Konzert teilnehmen.

Tags drauf zappte ich durchs TV-Programm und sah die Band wieder, sie hockte im Berliner VIVA-Studio und entschuldigte die Abwesenheit ihres Bassisten, der habe am Abend vorher "eine kleine Meinungsverschiedenheit" gehabt und sei jetzt beim Zahnarzt.

Ich musste ein bisschen grinsen.

Zurück zum Konzert. Dem, um das es geht.

06.10.: Abend. N. und ich sind die Treppen zum Eingang hinaufgestiegen, die Securities waren sehr freundlich und "kompetent". "Mach mal den Rucksack auf bitte!". Tat ich gern. Er, ein Schrank von Kerl, guckte drei Sekunden lang rein. "Alles klar, du bist sauber!" - "Wollen sie mich nicht abtasten? So kenn ich das zumindest von anderswo!?" hab ich dann gefragt. Er klopfte mir zweimal gegen den Oberarm und einmal gegen die Hüfte. "Alles klar, du bist sauber!" Eine absolute Fachkraft! Ich habe mir dann ausgemalt, wo ich die Bombe versteckt hätte, hätte ich denn eine gehabt. In den Socken. In der Bauchtasche, die meine KaPus ja nun mal haben. Eher in den Socken. Die wären dann nach dem Konzert quasi Stinkbomben.
 
Da uns die Support-Bands herzlich egal waren, orderten N. und ich erstmal ein Bier an der Bar im ziemlich großen Vorraum des Konzertsaales. Das ging fix und mit unseren mehr oder weniger bis zum Eichstrich gefüllten Plastebechern, beobachteten N. und ich die Mitmenschheit, die sich am Bierstand und an den Tischen mit dem Merch tummelte. Man konnte sogar iPhone-Hüllen mit dem Emblem meiner liebsten Band kaufen. Ich schaute etwas ungläubig.

Kumpel N. kaufte so eine iPhone-Hülle. Aus Gummi. Für fünf Taler. Ich schaute noch ungläubiger.

Besser noch ein Bier im Plastebecher. Immerhin "Astra". Eine iPhone-Hülle aus Gummi mit Band-Emblem. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich lachen oder weinen soll.

Das Bier war fast geleert und wir beschlossen, in den Konzertsaal zu wechseln. Der bietet in etwa 1000 Menschen Platz, vielleicht sogar 1200 oder 1500, ich weiß es nicht genau und kann es auch nicht schätzen, Lust auf Recherche bei Tante "Wiki" habe ich auch nicht, denn egal wie man es dreht oder wendet: Neben mir sind in der Markthalle zuviele andere Konzertgänger. Punkt.

Ein Konzert mit mehr als 250 Zuhörern ist immer erstmal nicht mein Fall, leider hat meine Lieblingsband diese Marke bereits vor einigen Jahren deutlich überschritten und füllt nun Hallen. Besucherzahl lässig vierstellig. Ich gönne es den Jungs, motze aber still in mich hinein, denn ich teile nicht gern.

An meinem Geburtstag 2006 sah ich boysetsfire in einem winzigen Schuppen in HH zusammen mit maximal 90 anderen, ein besseres Geburtstagsgeschenk werd ich wohl nie wieder bekommen.

Zurück zur Markthalle:

Der Sound ist seit Jahren großartig und auch dieses Konzert macht da keine Ausnahme...

...los geht es mit "Walk astray" und es dauert keine fünf Sekunden bis ich Pipi in den Augen habe. Das Intro von "Walk astray" haut mich jedes Mal um. Da ich noch gedankenverloren bin, krieg ich auch direkt nach dem Intro, wenn das Lied vorsichtig formuliert "Fahrt aufnimmt" (von 0 auf 100 in 1,4 Sekunden) direkt mal einen fliegenden Unterarm in die Fresse und die Tränen der Rührung weichen Schmerztränen. Ein Unterarm krachend auf die Nasenspitze ist alles, aber nicht schön. Selbst ein Tritt in die Familienplanung ist da netter...

Der Schmerz vergeht, die Nase ist noch ganz und aus sicherer Entfernung erlebe ich dann weiter die Show und gestehe mir ein:

Das ist der Moment, an dem man mit Mosh-Pits, Geprügel vor der Bühne und Stage-diving abschließt. Traurig, aber man ist halt mit 34 allmählich wie Roger Murtaugh in "Lethal weapon": Too old for that shit!

Kumpel N. in seinem karierten Hemd schaut irritiert, als ich wieder bei ihm auftauche. "Wie war`s?" - "Ach, wie damals! Nur mehr Asis!" - "Früher war also besser?" - "Auf jeden Fall, weil: weniger Asis!" Früher gab`s neben mehr Lametta auch weniger Deppen, die vor der Bühne herumschlägerten. Früher bekam man einen Tritt oder Ellenbogen ab, das war aber nie absichtlich, der "Täter" half einem hoch und fragte nach, ob alles ok ist. Heute tritt dir jemand mit Absicht ins Kreuz oder ins Gesicht und beim Stage Diven kommt er mit Ellenbogen oder gar den Füßen zuerst runter, seine Kumpels feiern ihn dafür. Das ist nicht mehr mehr meine "Szene". So einen Quatsch brauch ich nicht.

Die Lieblingsband haut Brecher nach Brecher raus..."Handful of redemption", "Rookie", "After the eulogy", bei letzterem fliegt die Faust nach oben und es wird "RISE! RISE! RISE!" gebrüllt.

Irgendwann ist Ende.

Ich bin taub.

Und ich bin glücklich. Von boysetsfire lass ich mir jedes mal wieder gern den Gehörgang frei blasen.

Zwei Mal kullerten tatsächlich fast die Tränen, bei "My life in the knife trade" und bei "Prey", meinem absoluten Lieblingslied vom neuen Album, das zu meiner riesigen Freude in der Mitte des Sets auch gespielt wurde und bei dessen ersten Tönen ich mich in etwa gefühlt habe wie damals als kleiner Junge am Weihnachtsabend. Jede Silbe wird mitgesungen samt verschämten Tränchen im Augenwinkel.

Irgendwann ist Ende.

Vor der Bühne sehe ich Sänger Nathan, er ist wie immer runter zu den Fans gegangen und wird umarmt, fotografiert und in die Seite geknufft und er erträgt das. Nathan ist vermutlich einer der tollsten Menschen der Welt. Man muss ihn getroffen haben, um das nachvollziehen zu können. Ich hatte schon vor dem Konzert beschlossen, ihn danach in Ruhe zu lassen, zum einen war dieses Mal kein gemeinsames Bierchen drin, zum anderen hat der Gute auch grad anderes im Kopf, ist er doch grad Vater geworden. Der ist froh, wenn man ihn in Ruhe lässt, vermute ich...

Raus aus der Markthalle, noch fünf Minuten Small Talk mit N., dann getrennte Wege. Ich zum HBF, er in die andere Richtung zur U Steinstraße.

In der U-Bahn nach Hause geht man mir aus dem Weg. Nassgeschwitzt, schwankender Gang, zufriedenes Grinsen im Gesicht...kann nur einer auf Droge sein.

Und dabei waren`s nur boysetsfire, Adrenalin und Glückshormone plus drei Bier.

Mit klirrenden Ohren und todmüde habe ich dann zuhause auf youtube nach etwas, das dem Konzert gleichkommt, gesucht.

Gefunden habe ich das Konzert in Dortmund vom 04.10.2013. Im Prinzip das gleiche Set, das ich am 06.10.2013 in Hamburg auf die Ohren gehauen bekam. Nur hat sich der Typ, der das Dortmunder Set online gestellt hat, die "Mühe" gemacht, das Intro, den ruhigen, von mir so geliebten Anfangspart von "Walk astray", zu überspielen...mit Quatsch.

Hier das Dortmunder Set mit Quatsch am Anfang. Und mit hübschen Menschen, auch am Anfang.

Und da "Walk astray" eins meiner liebsten Lieder meiner liebsten Band ist, gibt`s das auch noch Mal mit komplettem Intro ohne darübergelegte Kack-Musik.

Ab jetzt heißt es warten auf die nächste Tour der Jungs. Es kann mir nicht schnell genug gehen...

Montag, 14. Oktober 2013

Visionäre

E. und S. haben einiges vor. Frisch verliebt vermutlich. Nicht länger als seit drei Wochen. Und dann schon solche Zukunftspläne.



Entdeckt habe ich das Ganze vor einiger Zeit, als ich einer befreundeten Band half, ihr Equipment in den Van zu laden. Vor dem Wohnhaus des Bassers in der Kulmer Straße in Berlin-Schöneberg standen einige, zum nebenan liegenden Lokal gehörende, Bänke und Tische und dort hatten E. und S. sich verewigt.

Wie gesagt, das war vor einiger Zeit...2011 glaube ich. Und E. und S. gehen wahrscheinlich schon wieder getrennte Wege.

Oder auch nicht. Und Nummer eins oder gar Nummer zwei von 1000 Kindern sind bereits am Start oder in der Mache. Fänd ich auch ok.

Solang es keine Justin-Jamies, Jerome-Kurt-Pätricks oder Sylvana-Jolies werden.

Hoffen wir das Beste...

Sonntag, 13. Oktober 2013

Flüchtlinge

Lampedusa. Wie viele Tote? 270? Irgendwie sowas. Paar Tage später nochmal 25 oder mehr Ertrunkene. Und Vermisste, viele Vermisste. Warum? Warum waren sie auf diesem überfüllten Boot?

Ich weiß es nicht, aber ich habe Vermutungen: Weil sie auf der Suche nach einem besseren Leben waren. Weil sie Angst hatten und vor der geflohen sind. Vor der Angst vor ihrem zurückliegenden Leben, vor Verfolgung, vor Folter, vor Tod.

Seit Monaten ist die St. Pauli-Kirche ein Flüchtlingslager. Eine Gruppe afrikanischer Flüchtlinge aus Syrien hat hier Zuflucht und Obdach gefunden, es sind 50. Oder vielleicht 60. Oder gar 70. Ich weiß es nicht genau.

Ich weiß auch nicht genau, wann sie in Hamburg ankamen. Irgendwann im Sommer. Mai, Juni, Juli, eigentlich ist es auch egal. Die Medien berichteten groß darüber, die MoPo, das Abendblatt, natürlich die elende BILD. "Die Flüchtlinge sind da!"

Kurz darauf wurde daraus ein "Wohin mit den Flüchtlingen?" und die Antwort war die oben erwähnte Kirche. Vorher hatten die meisten von ihnen auf der Straße gelebt.

Dann war Ruhe in den Medien. Vermutlich haben die werten Herren und Damen Redakteure/-innen sich gedacht "Die haben ja jetzt ein Dach über dem Kopf. Denen geht`s jetzt gut! Lass uns über Micaela Schäfers aufgepumpte Möpse schreiben!"

Und wahrscheinlich interessieren die Silikontitten einer F-Prominenten den deutschen Durchschnittsbürger auch eher, als das Schicksal von Flüchtlingen aus Kriegsgebieten.

Das ist tragisch.

Ich war zwei Mal in diesem "Flüchtlingslager".

Auf einem Blog, den ich lese, wurde zu Spenden aufgerufen. Nahrungsmittel, Kleidung, Schuhe, gerne auch Hygiene-Artikel wurden gebraucht. Ich sammelte ein paar Dinge zusammen, eine Winterjacke, die mir nicht mehr passte, aber noch tip top in Ordnung war, einige Paar Socken, eine Packung Nassrasierer und Shampoo für die Haare.

Angekommen an der Kirche traf ich den Pfarrer an, der es überhaupt erst möglich machte, das die Flüchtlinge hier unterkommen konnten, ich übergab meine Dinge und er lächelte mich an. Das würde helfen, sagte er. Vor allem die Rasierer würden gebraucht, "seine Jungs" hätten nicht so sehr Lust auf einen Vollbart.

Zwei Monate später war ich nochmal dort, habe Kleinigkeiten abgegeben, nichts besonderes. Zahnpasta etc. Ich sah jemanden, der meine gespendete Jacke trug. Und er sah den Umständen entsprechend "zufrieden" aus. Das hat mich gefreut!

Das "Freuen" endete spätestens, als ich zum ersten Mal las, das die Stadt Hamburg den Flüchtlingen ein Container-Dorf zum Übernachten oder generellem Leben verwehrt hat.

Stattdessen nimmt man diesen Menschen, die eh schon alles verloren haben, Besitz, Familie, Freunde, jetzt auch noch die Menschlichkeit, indem man ihnen eine Unterkunft verweigert. "Nein, selbst in Containern wollen wir euch nicht wohnen lassen. Bleibt, wo ihr seid. Dusche? Ach komm, die habt ihr doch auch nicht gehabt, da wo ihr herkommt!" Es ist beschämend...

Um selbst das noch zu toppen, gab es am Freitag eine Razzia plus Straßenkontrollen. Kontrolliert wurden aber ausschließlich (!) Farbige. Warum? Weil sie farbig sind oder dunkelhäutig oder maximalpigmentiert? Oder wie nennt man das politisch korrekt?

Man wollte der "Flüchtlingsgruppe" Zugehörige erwischen, um ihre wahren Identitäten festzustellen. Um festzustellen, ob sie überhaupt in diesem ach so tollen Land sein dürfen. Und wenn nicht, dann ab nach Hause. Oh, da wird gefoltert und da herrscht Bürgerkrieg? Verdammt, das ist eher uncool. Egal. Viel Glück da im Abenteuerland!

Kontrollen, bei denen der Durchschnitts-Deutsche durchgewunken wird, mein Kumpel Mohammed, mit dem ich unterwegs war, allerdings nicht. Weil er schwarz wie die Nacht ist. Allerdings spricht er astreines dialektfreies Deutsch, besseres, als das der Kontrolleure, sie machten sich lächerlich und Mo lachte sich tot. Mich wundert, das die Herren Kontrolleure seine Witze geschluckt haben...ich hatte Gegenwehr erwartet. Mindestens hätten sie ihn zu Boden bringen müssen, den Neger, was erlaubt der sich?

In der virtuellen Zeitung habe ich gelesen, das aus dem Flüchtlings-Camp einige verhaftet wurden, weil sie sich nicht ausweisen konnten.

Ich nehme an, dass man, wenn man auf einem extrem überfüllten und wahrscheinlich nicht seefesten Kahn von Westafrika nach Italien/Lampedusa "rübermacht", nicht als allererstes den Reisepass griffbereit hat, wenn man von Rettungsbooten aus den Fluten gehievt wird.

Ironie beiseite, das ist menschenverachtendes ekelhaftes Verhalten und absolut tragisch und traurig.

Menschen suchen Schutz und Hilfe - und heraus kommt DAS! Ich bin entsetzt und traurig, dass so etwas hier passiert...ich dachte, die selbsternannte "Weltstadt" hat da mehr zu bieten. Mehr Freundlichkeit gegenüber jenen, die das brauchen. Aber nein, ist nicht drin. Hamburg, meine Perle und kein Mitleid für niemanden. Schade.

Momentan schäme ich mich, hier zu leben. In Hamburg. Der "schönsten Stadt der Welt".

Die Flüchtlinge in der St. Pauli-Kirche sehen das vermutlich anders. Und ich bin auf ihrer Seite.